Vom Eulenlaim auf der Karthause

Moselweiß war seit Alters her neben der Landwirtschaft vor allem mit dem Weinbau verbunden. Es überrascht daher, dass der so untypische Beruf des Töpfers im 18. Jahrhundert in unserem Stadtteil eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat.

In einer gut besuchten Vortragsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Moselweißer Ortsgeschichte im Weingut „Antoniushof“ entführte Winfried Dahmen die Zuhörer in der Zeit, in der die Mönche des Karhäuser Berghofs über reichliche Vorkommen von Ton und Lehm verfügten.

In Moselweiß lebten damals bis zu sieben Familien, die gegen eine geringe Abgabe an das Karthäuser Kloster Ton gruben, um daraus Töpfe und auch andere Produkte zu fertigen.

In den Klosterakten wurde der Ton als „Eulenlaim“ bezeichnet. Als Erklärung hierfür hat sich die Berufsbezeichnung „Euler“ für Töpfer im nahen Kannebäckerland bis heute erhalten. Sie ist von lateinischen „Olla“ für „Topf“ abgeleitet. Der mundartliche Begriff „Laim“ für Lehm oder Ton finden wir ebenfalls noch in der Moselweißer Mundart.

Die amtliche Bezeichnung des Töpfers war „Häfner“. Der älteste Nachweis über dieses Gewerbe stammt aus Lützel. Dort durften die „Ulner“ bereits im 16. Jahrhundert ihre Erzeugnisse am Moselufer feilhalten.

In Moselweiß erscheinen die ersten Töpfer zu Beginn des 18.Jahrhunderts. Es sind sieben Familien bekannt, die über mehrere Generationen dieses Gewerbe ausübten. Nur in bestimmten Häusern durften Töpfe gebrannt werden. Bei einer Veräußerung des Hauses ging das Brennrecht auf den Erwerber über. Der letzte Moselweißer Töpfer war ein Edmund Antres. Seine Brennerei befand sich in der Gülser Straße 32. Von ihm wissen wir auch, dass er seine Waren mit einem Nachen beförderte.

Bereits 1715 waren die Häfner in einer eigenen Zunft vereinigt. Neben anderen strengen Vorschriften bestimmte die Zunftordnung, dass nur ehelich geborene und gut beleumundete Mitglieder der Zunft angehören durften. Die Lehrzeit betrug 3 Jahre, dann musste der Geselle drei Jahre wandern und danach vor der Zunft sein Meisterstück abliefern. Hierzu gehörten ein glasierter Drei-Viertel-Hafen (Topf), ein Viertelmaß-Krug und ein gevierter (viereckiger) Ofen ohne scharfe Kanten. Maurer und Weißbinder (Anstreicher) durften keinen Kachelöfen aufstellen. Am Sebastianustag (2. Februar) hatte die Zunft in der Frühe in einer Koblenzer Kirche einen Gottesdienst. Wer nicht daran teilnahm, musste ein Pfund Wachs als Strafe zahlen. Fluchen, Zanken und Lügner-heißen wurden mit einer Strafe von 18. Weißpfennigen geahndet.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Koblenz zur preußischen Großfestung wurde, ging mit der Errichtung der Feste Alexander die wichtigste Fundstelle für den Eulenlaim verloren.

Ob das letztendlich zum Niedergang dieses Gewerbes in Moselweiß geführt hat, ist nicht bekannt.